Wie fühlt es sich an, unter realitätsnahen Bedingungen eine Blutabnahme durchzuführen, eine Infusion vorzubereiten oder ein EKG anzulegen und dabei direkt Rückmeldung von erfahrenem Fachpersonal zu erhalten? Genau diese Möglichkeit bot das gemeinsame Pilotprojekt der Bezirksärztekammer Koblenz und der Berufsbildenden Schule Cochem im schuleigenen Skills Lab für Medizinische Fachangestellte. Am 5. September 2026 fand das Pilotprojekt erstmals für Auszubildende zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) im dritten Ausbildungsjahr statt.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Schulleiter Andreas Zietz. In seiner Begrüßung hob er die Bedeutung praxisnaher Lernangebote für eine moderne berufliche Ausbildung hervor. Gerade in einem medizinischen Beruf sei es wichtig, theoretisches Wissen sicher in die Praxis übertragen und auch in anspruchsvollen Situationen routiniert anwenden zu können.
Initiiert und konzipiert wurde das Pilotprojekt von Herrn Hauer, Lehrer und für das Skills Lab für MFAs gleichzeitig auch Beauftragter der BBS im Netzwerk der Hospitationsschulen Rheinland-Pfalz. Das
Skills Lab, welches derzeit noch als rheinland-pfalz-weit einzigartiges Angebot fest in die Ausbildung angehender MFAs an der BBS Cochem integriert ist soll als ergänzender, dritter Lernort Theorie und Praxis miteinander verbinden. In einem geschützten Rahmen konnten die Auszubildenden medizinische Abläufe realitätsnah trainieren, Erfahrungen sammeln und mehr Sicherheit gewinnen. Dabei bestand auch die Möglichkeit, Fehler zu machen, Fragen zu stellen und einzelne Arbeitsschritte wiederholt zu üben, bis die nötige Routine entstand.
Unterstützt wurde das Skills Lab durch die Bezirksärztekammer. Vor Ort waren Geschäftsführer Herr Fechner, Frau Dr. Heyer, Prüfungsvorsitzende der MFAs, sowie Oberarzt Herr Sakr aus dem Marienkrankenhaus, der zukünftig auch im Prüfungsausschuss tätig ist. Die angehenden Medizinischen Fachangestellten erhielten wertvolle fachliche Hinweise und konnten sich aus Prüfersicht gezielt auf die praktische Abschlussprüfung vorbereiten. Fragen wurden direkt beantwortet und Unsicherheiten im persönlichen Austausch geklärt.
Auch Landrätin Beilstein besuchte die Veranstaltung, begrüßte die angehenden Fachkräfte persönlich und kam mit ihnen ins Gespräch. Sie betonte, wie wichtig Medizinische Fachangestellte für die Gesundheitsversorgung sind. „Mit ihrem täglichen Einsatz in Arztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung der Patientinnen und Patienten.“ Besonders erfreulich sei, dass das Skills Lab auch Auszubildenden aus den angrenzenden Landkreisen offenstehe und damit den Austausch über Kreisgrenzen hinweg fördere. Für die bevorstehenden Prüfungen und den weiteren Ausbildungsweg wünschte sie allen Teilnehmenden viel Erfolg. Einige von ihnen werden bereits im kommenden Winter ihre Abschlussprüfung absolvieren.
Die Öffnung des Skills Labs über die Grenzen des Landkreises hinaus ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Medizinische Versorgung endet nicht an Verwaltungsgrenzen. Wenn angehende Fachkräfte gemeinsam lernen, Erfahrungen austauschen und ihre praktischen Kompetenzen erweitern, stärkt das die gesamte Region.
An verschiedenen Stationen trainierten die Auszubildenden zentrale Tätigkeiten aus dem Berufsalltag und der praktischen Abschlussprüfung. Dazu gehörten subkutane und intramuskuläre Injektionen, Blutdruckmessung und Blutabnahme. Außerdem übten sie das Vorbereiten von Injektionen, das Anhängen von Infusionen sowie wichtige Hygienemaßnahmen. Ein EKG-Kurs ergänzte das Angebot. Fachkräfte begleiteten die Übungen, beantworteten Fragen und gaben unmittelbar Rückmeldung. So konnten die Teilnehmenden Abläufe wiederholen und ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt festigen.
Wie wertvoll diese Form des Lernens ist, zeigten auch die Rückmeldungen der Auszubildenden. Besonders positiv bewerteten sie den hohen Praxisanteil, die persönliche Betreuung und die Möglichkeit, Unsicherheiten ohne den Zeitdruck des normalen Praxisalltags abzubauen. Ein Teilnehmer fasste seine Erfahrungen so zusammen: „Der Nachmittag hat mich sehr gut weitergebracht. Ich würde es jedem empfehlen, teilzunehmen“.
Alle Teilnehmenden erhalten einen Nachweis über ihre aktive Teilnahme. Vor allem aber nahmen sie praktische Erfahrungen und mehr Sicherheit für ihren weiteren Ausbildungsweg mit.
Der erfolgreiche Auftakt hat gezeigt, welches Potenzial in einem solchen praxisorientierten Lernangebot steckt. Die Berufsbildende Schule Cochem plant daher, das Pilotprojekt mit der Bezirksärztekammer Koblenz weiterzuentwickeln und ggf. auch auszubauen. Ziel ist es dabei, ggf. auch überregional einen Lernort zu etablieren, an dem angehende Fachkräfte ihre medizinischen Kompetenzen vertiefen, voneinander lernen und sich gezielt auf die Anforderungen ihres späteren Berufs vorbereiten können.
Die nächste Nutzung des Skills Labs ist bereits geplant. In den kommenden Wochen wird Gesundheitsmanagerin Julia Wilde die Einrichtung gemeinsam mit Famulantinnen und Famulanten sowie Medizinstudierenden im fünften Semester besuchen. Auch sie sollen zentrale medizinische Fertigkeiten praxisnah trainieren können. Gleichzeitig soll der Austausch zwischen unterschiedlichen Ausbildungs- und Studienwegen gefördert und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnet werden.
So kann aus dem Pilotprojekt an der Berufsbildenden Schule Cochem langfristig ein Angebot entstehen, das über einen einzelnen Übungstag hinausgeht und einen nachhaltigen Beitrag zur Qualifizierung zukünftiger Fachkräfte sowie zur medizinischen Versorgung in der Region leistet.
Kontakt:
E-Mail: christian.hauer@bbs-cochem.de
Tel.: 02671 91697 – 0 oder -307
E-Mail: julia.wilde@cochem-zell.de
Tel.: 02671 61-696




